Sonntag, 1. Januar 2017

A.G. Howard "Dark Wonderland (1) - Herzkönigin" (Buch-Rezension)


Titel:
Dark Wonderland (1) - Herzkönigin
Autor/in:
A.G. Howard
Verlag:
cbt
Veröffentlichung:
2014
Seiten:
464 S.
Preis:
Hardcover: 17,99 € | Ebook: 13,99 €



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INHALT:
Alyssa Gardner ist die Nachfahrin der berühmten Alice Liddell aus Lewis Carrolls' Wunderland. Doch keiner glaubt, dass diese Geschichte keiner Fantasie entspringt, sondern viel mehr ein Erlebnis-Bericht ist. Alice hat bei ihrer Reise ins Wunderland für jede Menge Chaos gesorgt, denn seither liegt ein Fluch auf der Familie. Alyssa selbst muss ins Wunderland reisen, um alles wieder gerade zu biegen und ihre Mutter Alisson vor einer gefährlichen Lobotomie in einer psychatrischen Anstalt zu bewahren. Bei ihrem gefährlichen Unterfangen steht ihr ihr langjähriger bester Freund Jeb bei, doch im Wunderland selbst plant der finstere Morpheus ganz andere Spiele mit Alyssa.

MEINUNG:
Ich kam anfangs sehr gut in die Geschichte rein. Alyssa war mir durch ihre zwar morbide, aber doch liebenswerte Art und Weise von Anfang an sympathisch. Mir gefiel es, dass sie nicht wie in vielen Jugendbüchern das typische Mauerblümchen ist, sondern auch ihre Ecken und Kanten hat. Ihr Hobby Insekten zu töten, um sie schließlich in ihrer Kunst zu Mosaiken zu verarbeiten klingt zwar schräg und ist auch schräg, aber war mal etwas anderes zu lesen. Protagonisten, die ein Autor so positiv und "perfekt" wie möglich darstellen will, hat man schließlich zu genüge. Daher mochte ich die verrückte Alyssa und konnte mich auch in ihre Sorgen und Probleme größtenteils hineinversetzen. Nur im Verlauf der Geschichte wurde sie mir immer fremder, da ich manche ihrer Taten und Gedankengänge nicht nachvollziehen konnte. Ich muss mich als Leser keineswegs mit dem Protagonisten identifizieren können, aber die Handlungen usw. sollten schon in sich logisch für die Person sein. Das driftete hier leider manchmal ein wenig zu sehr auseinander. Beispiel: Sie hat seit Jahren Gefühle für ihren besten Freund. Im Wunderland kommen sie sich endlich näher und sie ist sich auch sicher, dass er der Richtige ist... lässt sich aber gleichzeitig von Morpheus den Kopf verdrehen. Zwar wird die Verbindung zu Morpheus sinnig und nachvollziehbar erklärt, aber dafür waren mir gleichzeitig die Gefühle für Jeb zu stark beschrieben, als das es gepasst hätte, dass sie sich von ihm auch noch angezogen fühlt. Auch sonst gibt sie vor viel über die originale Wunderland-Geschichte zu wissen, überlegt aber bei ihrem kleinen Abenteuer an diesem Ort oft zu lange um logische Schlüsse zu ziehen, sodass dies unglaubwürdig erscheint.

Jeb ist indes etwas seltsam. Dafür, dass er der kreative Künstler schlechthin sein soll, wirkt er viel zu rational denkend. So will er zum Beispiel nicht wahrhaben im Wunderland zu sein, als sie bereits mitten durch den Kaninchenbau gefallen sind. Was natürlich auch eine normale, menschliche Reaktion ist, aber er wirkt dabei viel zu statisch. Auch weitere Handlungen lassen ihn eher rational, statt fantasievoll wirken. Zudem hat er eine Beziehung zu einem anderen Mädchen, nur weil er Alyssa angeblich nicht haben kann. Die Beweggründe dafür sind schleierhaft erklärt. Ich empfand ihn daher als sehr widersprüchlich bzw. schlecht durchdacht. Es wirkte so als wollte die Autorin ihn zwanghaft zum Künstler machen, damit er auch gut zu ihrer Protagonistin passt. Morpheus hingegen ist wieder recht gut durchdacht, soweit ich das bisher beurteilen kann. Er hat die Gabe Menschen in Träumen zu besuchen oder in Spiegeln in Erscheinung zu treten. Damit lockt er Alyssa ins Wunderland, die davon ausgeht dort den Fluch zu brechen, der ihre Mum in die Psychatrie brachte. Allerdings drückt Morpheus sich sehr rätselhaft aus und führt sie immer wieder an der Nase herum, um seine eigenen Ziele zu erreichen. Größtenteils wirkt er dabei sehr egoistisch und ich bin mir unsicher, ob seine Gefühle für Alyssa echt sind oder auch nur gespielt. Er ist ein Meister der Maskerade und dreht sich alles wie es gerade für ihn am besten passt. Kein sehr sympathischer, aber spannender Charakter, der auch in weiteren Teilen noch interessant werden kann. Man kann ihn nämlich weder als gut, noch böse einordnen. Er hat von allem etwas.

Die Storyline hingegen war mir wiederum teilweise zu wirsch. Alyssa muss einige Aufgaben im Wunderland lösen, doch ihr Weg durch dieses Reich wirkt teilweise so hektisch und chaotisch, sodass man manchmal das Gefühl hat den Faden zu verlieren. Trotzdem waren hier einige kreative und interessante Ideen-Ansätze. Die actionreiche Schnelle hat allerdings einigen Szenen die Zeit genommen wirklich zu wirken oder sich näher zu entfalten. Zu schnell war man am nächsten Schauplatz. Ich hoffe, dass die Autorin da im nächsten Band ein ruhigeren Grundton fährt und den Geschehnissen ihre Zeit gibt mehr Tiefe zu entwickeln. Zusammenfassend war Dark Wonderland - Herzkönigin somit ein solider erster Teil mit vielen Hochs und Tiefs.

PRO & CONTRA:
+ kreative Ideen-Ansätze
+ überwiegend schöner Schreibstil
+ größtenteils interessante Charaktere
- zu schnelles "Gerase" durch das Wunderland und dadurch zu wenig Story und Tiefe
- zum Ende hin werden die Charaktere immer seltsamer und manche bekommen einfach zu wenig Bühnenpräsenz

DRAMARTUGIE:
(Die Dramaturgie wird nur bedingt in die endgültige Wertung aufgenommen. Sie soll euch Lesern nur als Hilfe dienen damit ihr wisst, was ihr (nicht) zu erwarten habt. Fehlende Romance oder Action muss also nichts Schlechtes sein ;) )
Spannung: 3/5 Schattenfedern
Action: 4/5 Schattenfedern
Drama: 3/5 Schattenfedern
Romance: 3/5 Schattenfedern
Humor: 3/5 Schattenfedern
Anspruch: 3/5 Schattenfedern

WERTUNG:
Cover/Gestaltung: 5/5 Schattenfedern
Charaktere: 3/5 Schattenfedern
Schreibstil: 3/5 Schattenfedern
Handlung:  3/5 Schattenfedern
Lesespaß: 3/5 Schattenfedern

FAZIT:
Ein schneller Sprint durchs Wunderland, der einem kaum Zeit lässt nach Luft zu schnappen. Es passiert zu viel auf einmal und darunter muss leider die Wirkung der Story etwas leiden. Trotzdem bin ich auf die Fortsetzung gespannt und hoffe, dass diese besser ist.

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