Dienstag, 11. August 2015

Kreativitäts- und Schreibübungen (India-a-napolis)

Ihr tastet euch gerade erst an die Schriftstellerei heran, habt vielleicht bereits einige Ideen, aber noch ein paar Schwierigkeiten mit der Umsetzung?

Hier werden euch einige Übungen Schritt für Schritt helfen eure Kreativität zu entfalten und erste Handlungsstränge zu entwickeln.

Zunächst möchten wir jedoch gerne einen Mythos entkräften. Kreativität und Fantasie sind keine Gaben, die nur einige wenige Menschen besitzen. Jeder Mensch hat die Möglichkeit durch eigene Vorstellungskraft neue Welten zu kreieren.
Dazu gehört jedoch viel Übung und eine gewisse Leidenschaft für das "Querdenken". Auch eine gewisse Portion Emphatie sollte vorhanden sein um vielschichtige Charaktere zu gestalten. Man sollte offen dafür sein sich in die verschiedensten Figuren hinein zu versetzen und versuchen selbst den "unsympatischten" Charakteren einen Funken Gutes abzugewinnen. 




Kreativität befähigt dazu sein eigenes angesammeltes Wissen und seine eigene Fantasie zu kombinieren. Geht daher mit offenenen Augen durch die Welt, achtet auf alles Merkwürdige und Kuriose in eurer Umgebung und seid offen für neues Wissen und Themen, mit denen ihr euch noch nie beschäftigt habt. Überlegt jedoch auch zunächst, ob es bereits Themenbereiche gibt mit denen ihr euch gut auskennt. Habt ihr beispielsweise ein umfangreiches Wissen zur Mythologie und der Antike, wäre es vielleicht sinnig euch tiefer in diese Welt hineinzudenken, zu überlegen welche Konflikte diese Thematiken heraufbeschören und was Veränderungen bewirken könnten. Überlegt womit ihr euch noch gut auskennt und ob mehrere dieser Themen vielleicht kombinierbar sind. Genetik, Informatik und ein umfangreiches Wissen zur christlichen Mythologie scheinen auf den ersten Blick vielleicht nicht zusammen zu passen, doch überlegt, ob sich euer Wissen nicht doch durch ein paar konzentrierte Überlegungen kombinieren lässt. Oft entstehen die besten Geschichten dadurch, dass man ungewohnte Dinge miteinader verbindet.

Und noch etwas: Seid nicht entmutigt, wenn ihr nicht sofort jede Aufgabe zufriedenstellend umsetzen könnt. Ehrlich gesagt ist es sogar gut, wenn ihr merkt, dass eure Versuche noch nicht perfekt sind. Unserer Meinung nach ist keine Geschichte und auch kein Buch zu 100% perfekt. Dies hängt vor allem davon ab, dass jeder Mensch andere Dinge gut oder schlecht findet. Dennoch gibt es bestimmte Techniken, die man sich aneignen kann um sich und sein eigenes Potenzial immer weiter zu entfalten. Wirklich fertig ist diese Entwicklung nie. Macht euch dies bewusst. Dieser Rat soll keineswegs abschrecken, sondern vielmehr zeigen, dass die Schriftstellerei lernbar ist und Kreativität nichts weiter ist als die Fähigkeit bekannte Dinge aus dem Umfeld zu etwas Neuem zu kombinieren. Anfangs ist dies noch recht schwer, da man noch nicht genau weiß wie man seine Ideen am besten ausarbeitet bevor man überhaupt mit dem Schreiben beginnt. Und selbst das Schreiben an sich kann zum Drahtseilakt werden, wenn man Schwierigkeiten hat den ersten Satz zu finden. Verliert auch dabei nicht den Mut. Jeder Schriftsteller kennt das Gefühl auf ein leeres Papier zu starren und erstmal nicht vorran zu kommen. Es kommen gute und schlechte Tagen. An einigen werden die Geschichten nur so aus euch raus strömen. An anderen werdet ihr erneut vor eurem Papier sitzen und euch fragen, warum ihr nicht weiter wisst. Dieser Kreislauf wird in der Regel nie ganz aufhören. Ihr werdet nur lernen besser damit umzugehen und Wege finden eure Muse aus ihrem Schlafsaal zu wecken.
Aber jetzt: Ran ans Werk!


ÜBUNG 1: Mit allen 5 Sinnen
Stellt euch einen beliebigen Ort vor und versucht diesen mit all euren Sinnen zu erfassen und zu beschreiben. Als Beispiel könnt ihr hier einen Wald nehmen. Ihr müsst bei dieser Übung keine Story erfinden, es reicht ein Stimmungsbild zu erzeugen. Denkt daran, was ihr alles sehen, schmecken, fühlen, riechen und hören könnt. Sicher gibt es an "eurem Ort" viel zu entdecken.


ÜBUNG 2: Unliebsame Charaktere
Versucht euch in einen Bekannten aus eurem Umfeld hineinzuversetzen, den ihr eigentlich nicht sonderlich mögt. Schreibe eine kurze Geschichte aus seiner Sicht und versuche dabei sowohl gute, als auch schlechte Eigenschaften hervor zu heben. Auf welche Eigenschaften ihr euch jedoch vordergründig konzentriert bleibt eure Sache. Hierbei sollt ihr lernen andere Blickwinkel einzunehmen und versuchen euch auch mit unliebsamen Figuren identifizieren zu können. Dies schafft neue Gedankengänge und lässt euch über eine klare Gliederung in "Schwarz und Weiß" hinaus denken.


ÜBUNG 3: Gute Seelen

Dies ist das Gegenstück zur vorherigen Aufgabe. Versucht euch in einen Bekannten aus eurem Umfeld hineinzuversetzen, den ihr besonders mögt. Schreibt eine kurze Geschichte aus seiner Sicht und versucht dabei sowohl gute, als auch schlechte Eigenschaften hervor zu heben. Auf welche Eigenschaften ihr euch jedoch vordergründig konzentriert bleibt eure Sache.


ÜBUNG 4: Mit offenen Augen
Nehmt einen Zettel und Stift mit und geht nach draußen. Wohin ihr genau geht ist zunächst nicht unbedingt weiter wichtig. Wichtig ist nur, dass ihr eure Gegend genau beobachtet. Menschen, Tiere, Gebäude, Pflanzen, Gegenstände usw. Schreibt alles auf, was in euch Ansätze für kreative Gedanken weckt. Daheim entscheidet euch für max. 10 dieser Dinge und schreibt eine Geschichte, indem ihr diese Dinge miteinander kombiniert. Daraus entstehen oft die kuriosesten Sachen.

 
ÜBUNG 5: Ein anderes Ende?

Um ein Gespür fürs Schreiben zu bekommen kann es zunächst hilfreich sein sich eines seiner Lieblingsbücher zur Hand zu nehmen und das Ende umzuschreiben. Hier müsst ihr noch keine "eigene Welt" oder Charaktere erschaffen. Dennoch könnt ihr Formulierungen üben und euren Schreibstil entwickeln.


ÜBUNG 6: Hypotaxen und Parataxen
Als Hypotaxen werden sämtliche Schachtelsätze bezeichnet, während Parataxen kurze Sätze umschreiben. Bei einem Roman oder einer Kurzgeschichte ist es wichtig, darauf zu achten, dass beides seine Daseinsberechtigung bekommt.
Als Übung könntet ihr zu einem Thema eurer Wahl eine Geschichte ausschließlich aus Hypotaxen schreiben und danach dieselbige aus Parataxen. Könntet... Womöglich würde sich für eure Ohren sogar der Text mit den vielen Schachtelsätzen flüssiger anhören. Gebt ihr den Text jedoch jemand anderes wird er Mühe haben dem Geschehen zu folgen. Nur durch konzentriertes Lesen wird er bis zum letzten Satz vordringen. Warum ist dies so? Natürlich wirken Schachtelsätze neben kurzen Parataxen nach "mehr". Eine Anhäufung von Schachtelsätzen ist jedoch für jeden noch so geübten Leser auf Dauer zu anstrengend. Der Leser braucht kurze Pausen beim Lesen, die er nur selten bekommt, wenn der Autor ungern einen Punkt setzt. Mut zu kurzen Sätzen wird dadurch entlohnt, dass der Leser schneller in euer Geschehen einfindet. Gerade bei spannenden und actionreichen Szenen können kurze Sätze sogar für eine dichtere Atmosphäre sorgen als Hypotaxen.

Beispiel: Was findet ihr besser zu lesen?
1. Auf der Suche nach seinem entlaufenen Hund, kam er an einem heruntergekommenen Gebäude mitten im Wald an, das er durch das Dickicht der Bäume aus der Ferne gar nicht erkannt hatte. Er näherte sich dem Haus, um nachzusehen, ob darin jemand hauste, doch hörte er lediglich das Plätschern des naheliegenden Baches. Ein lautes Wimmern ließ ihn vor Schreck herumfahren. Als er plötzlich seinen Hund tot am Boden erblickte, blieb er wie paralysiert stehen.

2. Er war weg. Seit Stunden suchte er bereits nach seinem geliebten Hund. Mitten im Wald rief er immer wieder seinen Namen.  "Jackie! Jackie! Komm zurück!" Doch der Wind blieb stil. Niemand schenkte ihm eine Antwort. Plötzlich erkante er in der Ferne ein flackerndes Licht. War dort ein Haus? Er zog die Stirn in Falten und versuchte sich durch das dichte Geäst dem flackernden Licht zu nähern. Vor dem Haus - Totenstille. Auch aus dem Haus hörte er keine Geräusche hinaus dringen. Nur das Plätschern des Baches bildete eine scheinbar friedliche Hintergrundmelodie. Doch was war das? Ein lautes Wimmern ließ ihn herumfahren. Er traute seinen Augen nicht. Da war er, lag direkt vor seinen Füßen. Tot, mit aufgeschnittener Kehle.

Sicher fandet ihr das zweite Beispiel nicht nur spannender, sondern auch einfacher zu lesen. Natürlich gibt es kein Patentrezept dafür wie man etwas schreiben soll, aber Abwechslung in der Länge der Sätze kann nie schaden.

Aufgabe: Schreibt die Geschichte aus Beispiel 2 weiter und achtet auf einen passenden Ausgleich zwischen Hypo- und Parataxen.


ÜBUNG 7: Dialoge vs. Beschreibung
Wer mit dem Schreiben anfangen möchte, denkt zunächst einmal, dass jedes Wort und jeder Satz ganz besonders sein müssen. Jeder Satz muss bedeutungsvoll und tiefgehend klingen. "Platte" Sätze darf man sich nicht erlauben. Ja und Nein. Eure Geschichte sollte so geschrieben sein, dass sie eure Leser verstehen können. Nicht jedem Satz muss eine tiefere Bedeutung zu Grunde liegen. Wichtig ist das Gesamtkonzept - Das Zusammenspiel von Beschreibungen, dem Spannungsbogen, Action, Entwicklung und Dialogen. Wobei wir beim Thema wären. Dialoge sollten sich von eurem restlichen Text in Punkto Schreibstil abheben, sofern ihr nicht aus der Ich-Perspektive schreibt. Während ihr beim Beschreiben der Umgebung, Handlung, Empfindungen etc. auf eine möglichst korrekte deutsche Grammatik achten solltet, müssen eure Figuren nicht auch gleichzeitig dementsprechend reden. Denkt dabei an Gespräche, die ihr mit anderen habt. Spricht jeder davon KOMPLETT einwandfreies Deutsch? Formuliert jeder davon seine Sätze wie ein Poet?
Kaum einer würde wohl fragen "Wie ist dein derzeitiges Befinden?", sondern eher "Wie geht's?" oder "Wie geht es dir?" Sollte euer Charakter dennoch so reden wie im ersten Beispiel, könnte dies an der Epoche liegen, in der eure Story spielt oder es könnte vielleicht ein seltsamer Tick von ihm sein? Vielleicht wird er wegen seiner Sprechweise von anderen aufgezogen?
Zudem solltet ihr auch immer die derzeitige Situation berücksichtigen, in der sich eure Charaktere befinden. Eure Charaktere dürfen sich verhaspeln, vergessen, was sie eigentlich sagen wollten, unterbrochen werden und und und... Charaktere sind Menschen und daher nicht perfekt. Auch nicht oder nur bedingt in ihrer Ausdrucksweise.

Zwei Beispiele im Vergleich:
1. Anna trat zu Simone heran. "Hast du in den letzten Tagen für die heutige Mathematik-Klausur in der sechsten Stunde gelernt? Ich war gestern noch gegen 16 Uhr bei meiner Nachhilfelehrerin. Zwar mag ich sie nicht sonderlich gerne, aber sie weiß sehr viel über Trigonometrie und konnte mir anhand von Beispielen und Übungsaufgaben viel erklären. Jetzt habe ich verstanden wie ich die Aufgaben richtig lösen kann ohne zu verzweifeln."
Daraufhin bekam Simone schwitzige Hände und schlug sich die Hand vors Gesicht. "An die Mathematik-Klausur habe ich ganz vergessen zu denken. Eigentlich wollte ich noch lernen, doch nachdem ich gestern beobachtet habe wie jemand ermordet wurde, waren meine Gedanken ganz woanders."

Okay, ich glaube wir sind uns einig. Dieser Dialog klingt nicht nur hölzern und langweilig. Es wird auch sofort klar, dass so garantiert niemand reden würde. Niemand würde bis ins kleinste Detail wie ein Roboter erklären zu welcher Uhrzeit er was gemacht hat. Es sei denn er ist in einem Verhör. Des Weiteren würde wohl kaum jemand in so langen Schachtelsätzen reden ohne selbst den Faden zu verlieren. Auch Simone würde wohl kaum einfach so brühwarm erzählen, dass sie einen Mordfall beobachtet hat, es sei denn sie vertraut der Person gegenüber. Doch auch dann müsste deutlich werden, dass Anna und Simone eine enge Freundschaft verbindet. Und selbst dann würde Simone die Worte dafür wohl vorsichtig wählen. Zu guter letzt: Würde Simone wirklich noch über die Mathe-Arbeit diskutieren wollen, wenn sie am Tag zuvor tatsächlich ein derartiges Szenario betrachtet hätte?

2. Es war kurz vor halb acht. Die meisten Schüler waren noch auf dem Weg zur Schule. Anna und Simone nutzten die Ruhe vor dem Sturm, um sich in der Pausenhalle ein wenig zu unterhalten. Selten konnte man so ungestört reden und in diesem Fall passte Simone dies ganz gut.
"Ohje, gleich schreiben wir Mathe. Ich habe ehrlich gesagt absolut keine Lust darauf, aber immerhin hat die Nachhilfestunde gestern ein wenig was gebracht", sagte Anna und seufzte.
Simone starrte derweil geistesabwesend aus dem Fenster, als wäre sie weit weg, an einem anderen Ort.
"Simone, alles klar bei dir?"
Anna schüttelte sich und rang sich ein Lächeln ab. "Ja, natürlich. Ich meine... Nein, es ist nichts in Ordnung." Wieder wandte sie ihren Blick nach draußen. Noch vor wenigen Tagen war es ihre einzige Sorge gewesen für die anstehende Mathe-Arbeit zu lernen, doch jetzt schien dieses Problem in weite Ferne gerückt zu sein. Noch immer sah sie vor ihrem inneren Auge wie der Mann zu Tode geprügelt worden war. Sie hörte die Schreie wie ein Nachbeben in ihren Ohren. Und doch... Das Leben ging weiter. Der Alltag ging weiter.
"Können wir später darüber reden? Nach der Schule?" Ein gequälter Blick lag auf ihrem Gesicht.
Anna schüttelte den Kopf. "Was ist los? Du machst mir Angst? Sag schon, ist irgendwas passiert? Hat Kyle mit dir Schluss gemacht?"
Simone lachte. Ein trostloses Lachen...

Sicher sind in diesem zweiten Beispiel nicht ganz so viele Informationen wie in dem ersten Text. Allerdings wird es niemanden stören, wenn diese unnötigen Fakten weg gelassen werden oder erst dann thematisiert werden, wenn es für die Handlung sinnvoll ist.

So, und nun zur Übung. Ihr könnt euch die Aufgabe sicher schon fast denken, oder? Schreibt den Dialog aus Beispiel 2 weiter. Was könnte noch passieren?


ÜBUNG 8: Eine Geschichte in 90 Minuten
Eine weitere Übung um die Fantasie ein wenig heraus zu kitzeln, ist es unter einem spontan vorgegebenen Thema innerhalb von 90 Minuten eine Geschichte zu schreiben. Manchmal entstehen dadurch die besten Ideen. Woher jedoch das Thema nehmen? Entweder fragt ihr einen Freund nach einem Wort/Thema, das ihm gerade zufällig in den Sinn kommt oder ihr nutzt beispielsweise die unten aufgeführte Liste. Wie genau ihr das gewählte Thema/Wort einbaut bleibt euch frei überlassen.
Was euch das bringt? In der Regel werdet ihr bei dieser Übung oftmals auf ein Schlagwort "treffen" mit dem ihr vielleicht erstmal nicht unbedingt viel anfangen könnt. Nun müsst ihr jedoch spontan innerhalb kürzester Zeit eine spannende oder auch lustige Geschichte schreiben ohne wirklich vorher die Zeit zu haben alles genau durchzuplanen. Somit lernt ihr mit spontanen Ideen umzugehen und selbst in scheinbar "langweiligen" Dingen mehr zu sehen.
PS: Eine Abwandlung zu der Übung könnt ihr auch durchspielen. Dabei solltet ihr Gedichte zu den verschiedenen Themen schreiben, die euch vorgegeben werden. Am besten eignet sich diese Übung jedoch, wenn man mindestens zu zweit ist, da man mit einem Gedicht meistens relativ schnell fertig ist und dann ein neues Thema als Vorgabe braucht.
Alleine könnt ihr euch jedoch Abhilfe schaffen, indem ihr per Zufall durch ein Buch blättert und mit geschlossenen Augen auf irgendein Wort tippt.
Ferien
Oktober
Wettrennen
Revolution
Ostern
Kugelschreiber
Masern
Kerze
Kunstraub
Niagarafälle
Tagebuch
Dschungel
Schuh
Regen
Postkarte
Schere
Kostüm
Maskenball
Engel
Feuer
Frankreich
Fluss 


ÜBUNG 9: Künstler am Werk
Suche dir das Bild eines Künstlers und schreibe dazu eine Kurzgeschichte. Versuche das Szenario und/oder die Gefühle, die das Bild in dir hervor rufen so authentisch wie möglich rüber zu bringen.
Diese Übungen funktioniert auch bestens mit Fotos. Um diese Übung zu variieren könnt ihr auch in einer "Sammelkiste" verschiedene Bilder sammeln. Fotos, Gemälde, Zeichnungen, Zeitungsartikel (ohne den Text dazu) usw. Wenn ihr genug zusammen habt könnt ihr per Zufall 3 oder mehrere Bilder aus der Box ziehen und euch daraus eine kurze Geschichte ausdenken. Und wer weiß? Vielleicht kommt ihr auf diese Art und Weise sogar auf Ideen für einen ganzen Roman?


ÜBUNG 10: Was wäre wenn...
Eine Übung, die bestens geeignet ist um neue Handlungen zu kreieren. Dabei könnt ihr sowohl auf Geschehnisse in eurem Leben, als auch andere Ereignisse eingehen
Was wäre, wenn... ich vor 5 Jahren in die USA ausgewandert wäre?
Was wäre, wenn... der zweite Weltkrieg nie stattgefunden hätte?
usw.


ÜBUNG 11: Metaphern & Vergleiche

Es gibt zunächst einmal mehrere Möglichkeiten, um etwas zu beschreiben. Um die Geschichte vorran zu treiben ist es durchaus an einigen Stellen sinnig mit vielen kurzen Beschreibungen und Parataxen (kurzen Sätzen) zu arbeiten. Um ein bestimmtes Gefühl oder Bild zu erzeugen ist es jedoch ratsam Metaphern und Vergleiche zu verwenden.
Diese Beispiele sollen kurz verdeutlichen, worum es genau geht.


"...Er hatte blaue Augen. Seine Hände waren kalt. Alles an ihm bedeutete Gefahr..."
Hier reihen sich mehrere Sätze aneinander ohne ein deutliches Bild zu erzeugen. Auch wirken die Sätze recht zusammenhanglos aneinander gereiht.
 
"...Seine Augen waren blau wie der endlose Ozean, in dem man sich verliert und niemals wieder auftauchen möchte. Seine Hände waren kalt wie der Schnee kurz nach Weihnachten, am dunkelsten Tag des Jahres. Ich wusste es. Er war die Gefahr, doch ich konnte nicht fliehen..."
Hier  wird durch Metaphern ein genaues Stimmungsbild erzeugt. Ein ganzes Buch in diesem Stil kann jedoch schnell langatmig wirken. Daher sollte man möglichst darauf achten seinen Schreibstil zu variieren. Beschreibt die Dinge und Geschehnisse detailreich, aber versucht eure Leser damit nicht zu erdrücken. Setzt Metaphern und Vergleiche daher nur ein, um wichtigere Elemente eurer Geschichte zu unterstreichen. Ihr braucht nicht das hereinfallende Licht der Sonne in allen Einzelheiten umschreiben, wenn es keinen tieferen Sinn hat.


Zur Übung sollt ihr nun ein paar Sätze zu Ende schreiben. Verwendet hierzu ausschließlich Metaphern und Vergleiche.


"Sie fühlte sich erschöpft wie..."
"Die Wolken am Himmel waren grau wie..."
"Seine Jeans waren zerschlissen, sein Hemd verdreckt. Auch seine Haare standen in sämtliche Richtungen ab, sodass er beinahe wie ein ..."
"Das brennende Feuer verschlang ihre Füße, kroch an ihren Beinen nach oben und brachte ihren Atem zum Stocken. Es fühlte sich an wie...."
"Die seltsame Pflanze ähnelte einem ..."
"Seine Intelligenz ähnelte einem/einer ..."
"Er ist so dumm wie ..."

 
ÜBUNG 12: Unübliche Protagonisten
Schaut euch in eurer Umgebung um und sucht nach Gegenständen. Entscheidet euch für einen oder mehrere und schreibt eine kurze, lustige Geschichte aus der Sicht eines der Gegenstände.


ÜBUNG 13: Auch andere Wege führen nach Rom

Hierzu solltet ihr wieder eine Kurzgeschichte aus den vorherigen Übungen hervor nehmen. Welche ist hierbei egal. Schaut nach, welche Konflikte es in dieser Geschichte gegeben habt, wie ihr sie gelöst habt und was am Ende dabei heraus gekommen ist. Nun nehmt ihr die Geschichte und streicht den Mittelteil heraus. Jetzt ist es eure Aufgabe die Handlung neu zu schreiben und andere Strategien zur Auflösung zu benutzen. Wichtig ist, dass ihr dennoch ans selbe Ziel gelangt wie in eurer Urversion. Danach könnt ihr die Übung wiederholen und nur die Ausgangssituation beibehalten. Das Ende dürft ihr dieses Mal verändern. Diese Übung soll euch näher bringen, dass es für ein oder mehrere Probleme nicht nur eine patentierte Lösung gibt. Selbst wenn ihr bereits Ideen zu einer Handlung habt, durchdenkt immer weitere Möglichkeiten. Es gibt sicher zahlreiche.


ÜBUNG 14: Rollenspiel
Diese Übung eignet sich nur, wenn ihr mindestens zu zweit seid. Sie eignet sich weniger dazu direkt Romane zu kreieren, hilft aber dazu spontan auf neue Impulse zu reagieren und andere Sichtweisen miteinzubeziehen.
Jeder der Beteiligten denkt sich eine Rolle aus, die er übernimmt. Überlegt jedoch zuvor grob in welcher "Welt" das Geschehen spielen soll und in welche Richtung eure Handlung gehen soll. Es muss nichts Komplexes sein. Komplexität kann sich durch das Spiel ergeben.
Beispiel: Eine Prinzessin wird entführt. Nun liegt es an einer Gruppe von zwei oder mehreren Freunden sie zu befreien.
Abwechselnd schreibt jeder Spieler einen kurzen Abschnitt der Geschichte aus seiner Sicht. Mit seinem eigenen Charakter darf er tun und lassen, was immer er will. Auch darf er neue Wendungen etc. ins Geschehen einbringen, aber niemals einen der anderen Figuren "fremd steuern". Er darf nur auf die Reaktionen der anderen reagieren. Mit der Zeit entsteht dabei eine lustige, abenteuerliche Geschichte, die dazu beflügeln kann daraus weitere Ideen zu kreieren. Diese Art des "Schreibens" ist angelehnt an die heutigen Pen & Paper-Rollenspiele.


ÜBUNG 15:  Mein anderes Leben
Hat jemand von euch schon mal Tagebuch geführt? Nein? Das ist auch nicht weiter tragisch. Diese besondere Art von Tagebuch soll nämlich ganz anders sein, als wie ihr es bereits kennt. Denkt an einen besonderen Tag in eurem Leben oder auch den heutigen Tag und ändert nur eine Komponente an den Geschehnissen. Nehmt dazu die "Was wäre wenn..."-Strategie zur Hilfe.


Was wäre, wenn dieser Tag im Mittelalter stattgefunden hätte?
oder
Was wäre, wenn ein Außerirdischer dabei gewesen wäre?
oder
Was wäre, wenn du diesen einen Raum betreten hättest, den du doch lieber gemieden hast? Was wäre darin geschehen?
oder
Was wäre, wenn mein Haustier statt einer Katze ein richtiges Raubtier oder gar ein Drache wäre?
usw.


Ob spannend, fantasievoll, mysteriös oder vollkommen absurd. Diese Übung soll euch dabei helfen in alltäglichen Situationen das besondere Etwas zu sehen und daraus Ideenimpulse zu entwickeln.



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Wir hoffen wir konnten euch mit diesem interaktiven Teil unserer Serie weiter helfen und euch den Druck hinter dem Schreiben an sich ein Stück weit nehmen. Vielleicht habt ihr durch diesen Beitrag aber auch erst die Lust am Schreiben entdeckt? Lasst es uns wissen! Welche Übung gefiel euch am besten? Mit welcher Übung konntet ihr nicht so viel anfangen? Wir freuen uns auf euer Feedback.

Auf bald!



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