Dienstag, 30. Juni 2015

Lilli Thal "Die Puppenspieler von Flore" (Rezension)

Titel: Die Puppenspieler von Flore
Autorin: Lilli Thal
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Gerstenberg
Preis (Buch): 19,99€

 

 

 

 

"Wenn du das Herz bewegst, folgen die Glieder ganz von selbst."

 

INHALT:
Stell dir vor, du bist kurz vor deinem Abschluss. Freudig wartest du darauf mit deiner Familie und deinen Freunden zu feiern, doch dann das:

Du wirst mit anderen Gleichaltrigen in einem Bus verschleppt. Auf einem abgelegenen Gelände von Stacheldraht umzäunt, erzählt man dir, dass alles, was du in deinem Leben als Wahrheit kennst eine Lüge ist. Stell dir vor man zwingt dich dazu dich als Spion ausbilden zu lassen. Du hast keine andere Wahl. Im feindlichen Land Flore wirst du dich als Diener im Hause des mächtigen Marschalls Utuk behaupten müssen, doch was passiert, wenn man dein falsches Spiel durchschaut? Was geschieht, wenn die falschen Leute erfahren, warum du wirklich in Flore bist? Und ist in Flore tatsächlich alles so grauenvoll wie alle behaupten? Gibt es hier auch Licht zwischen all den dunklen Schatten? Zusammen mit Tamaso wirst du es herausfinden und dabei tiefer in politische Intrigen und Machtspiele geraten als dir lieb ist...



MEINUNG:
"Die Puppenspieler von Flore" ist kein Buch, das man schnell an einem Tag durchlesen kann. Zumindest sollte man dies nicht. Ich habe es immer mal wieder weg gelegt, um über das bereits Geschehene nachzudenken. Es passiert meistens sehr viel, ohne dass das Buch dadurch überladen wirken würde. Im Gegenteil. "Die Puppenspieler von Flore" hat einen ganz eigensinnigen Spannungsbogen, der den Roman authentisch und lebendig wirken lässt.
Die Handlung spielt in einer fiktiven Welt, die jedoch nichts mit Fantasy oder dergleichen zu tun hat. Am ehesten könnte man das Buch als eine Art Dystopie bezeichnen, aber auch diese Genre-Zuordnung ist hier nicht ganz passend. Angelehnt sind die Geschehnisse des Romans an verschiedene aktuelle Staatsformen. Nordkorea war ua. eine der Inspirationen, die die Autorin zu diesem Buch veranlasst hat, doch es finden sich auch Ähnlichkeiten zu zahlreichen anderen Systemen. Die Namen der Ländereien und Charaktere wirken größtenteils sehr exotisch und haben oftmals einen asiatischen Touch. Auch das macht das Buch zu etwas besonderen, da die verwendeten Namen nicht alltäglich sind.
Das Cover und der Klappentext mögen zunächst etwas unscheinbar wirken, denn er umreist wirklich nur sehr knapp worum sich der Roman handelt. Viele Überraschungen warten auf den Leser, die ich an dieser Stelle natürlich nicht weiter benennen möchte. Die Charaktere wachsen mit ihrer Aufgaben und man stellt sich immer wieder die Frage, ob alle Romanfiguren bis zum Ende überleben werden.
Auch ist es sehr schön und abwechslungsreich geschrieben wie sich der Tag von Tamaso im Hause Utuk gestaltet. Während oben Puppentheater gespielt wird, wird im Keller gefoltert und gemordet. Die fröhlichen Marionetten, verdecken den düsteren Schatten jedoch nur spärlich. Für Tamaso scheint dieses Spiel aber mit einer der wenigen Dinge zu sein, die ihn ein wenig die Realtität vergessen lässt, obgleich auch die Puppen in ihrer eigenen Geschichte einiges durchleben müssen.
Fantasie und Realität scheinen sich mitunter stark zu vermischen. An einigen Stellen waren die Übergänge manchmal etwas ungünstig gewählt, aber das kam mir nur selten vor. Auch hatte ich mir noch die eine oder andere Wendung oder Gegebenheit gewünscht, die nicht stattgefunden hat. Dafür blieb mir als Leser im Gegenzug viel Platz für die eigene Fantasie. Wer hier konzentriert und vielleicht auch ein wenig zwischen den Zeilen liest, wird hier ein spannendes und vielschichtiges Kopfkino erleben.

PS: Sobald man das Buch liest und in die Geschichte eintaucht, ergeben auch die einzelnen Elemente des Buchcovers immer mehr Sinn.

FAZIT:
Ein vielschichtiges Buch, das zahlreiche Themen abhandelt. Liebe, Freundschaft, Intrigen, Verrat und politische Machtspiele. Um nur einige zu nennen. Meiner Meinung nach ist es ein Buch über das man sehr gut mit anderen diskutieren kann und dabei noch tiefer auf die zahlreichen Themen des Romans eingehen kann. Selbst zwischen den Zeilen gibt es viel zu entdecken. Gerade für Schulklassen ein gutes Buch, aber nicht nur. Auch Erwachsene dürfen hier zugreifen, da es meiner Meinung nach kein typisches Jugendbuch ist, sondern um einiges komplexer. Meine dringende Leseempfehlung und 4 Sterne, die nur knapp den fünften Stern verfehlt haben.

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